Border Collies zu züchten ist für mich eine große Herausforderung.

Einerseits ist es für mich von besonderer Wichtigkeit, die einzigartigen Hüteeigenschaften, die den Border Collie von allen anderen existierenden Hunderassen unterscheiden, zu erhalten. Andererseits sind die Bedingungen, unter denen Border Collies hierzulande leben und arbeiten, gänzlich anders als die im Ursprungsland der Rasse.Und sie sind heute nicht nur Hütehunde, sondern auch Sporthunde und Schauhunde geworden.

Serge van der Sweep's NipIn Großbritannien hört man gelegentlich den Satz "There are horses for courses", der ausdrücken will, dass es für jeden Aufgabenbereich besonders geeignete Individuen gibt. So wird der Farmer in den schottischen Lowlands, der seine Fleischrinder bewegen möchte, sich keinen Hund aus den Bergregionen von Wales kaufen, so sehr er auch dessen Stil und Brillianz beim Hüten bewundern mag. In diesem Sinne kann man sicher auch Border Collies für die hiesige Koppelschafhaltung züchten, ohne dem Rassetyp zu schaden. Allerdings ist der Bedarf für Hütehunde in Deutschland begrenzt, was allerdings zum Teil auch eine Frage der Ausbildungsmöglichkeiten und der wenig vorhandenen Kenntnisse über den Einsatz von Hunden ist.

Annika Matz und Agility Joy Cassy bei der WM 2000Dieselben Eigenschaften, die den Border Collie zu einem begnadeten Hütehund  machen, sind aber auch die Ursache für seine steigende Beliebtheit als Sporthund. Auch im Mutterland der Rasse ist der Border Collie im Agility und Obedience nahezu unschlagbar, gleiches gilt - wie die Agility-Weltmeisterschaften seit Jahren zeigen - auch weltweit. Die unübertroffene Bereitschaft zur Zusammenarbeit - der "will to please"- ist auf dem Trialfeld genauso wichtig wie im Agility-Parcours oder Obedience-Ring. Hinzu kommt der unermütliche Arbeitseifer und die Neigung, viele Arten der Beschäftigung als selbstbelohnend zu empfinden, was zu einer hohen Selbstmotivation führt. Dass ein solcher Hund  bei einer Haltung als Familienhund "ohne besondere Bestimmung" zu Verhaltensauffälligkeiten neigt, ist da nur folgerichtig.

Austr.Ch. Crestvale Sono ThunderDie Anerkennung des Border Collies von der FCI,  und damit seine Zulassung als Ausstellungshund,  hat dem Zuchtgeschehen eine gänzlich neue Komponente gegeben. Vor allem in den USA kam es zu erbitterten Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der "Showhunde" und der "Arbeitshunde", die das Ausmaß eines "Border Collie War" annahmen. Die Befürchtungen, dass es zu einer Spaltung der Rasse kommen würde und dass "Showcollies" die rassetypischen Eigenschaften zum großen Teil verlieren würden, hat sich nach meiner Meinung bereits bestätigt, zumindest weltweit gesehen. Es erscheint mir nur logisch, dass ein Hund, dessen Lebensaufgabe darin besteht, sich auf Schauen vorteilhaft zu präsentieren, andere psychische Eigenschaften haben muß als ein Hütehund, auch wenn beide vom Körperbau durchaus übereinstimmen können. Dass der Typ des "Showcollies" sich dabei vielleicht eher als unkomplizierterer Haushund zu eignen scheint, empfinde ich dabei als nahezu tragische Entwicklung mit negativen Folgen für die gesamte Rasse.

Was bedeuten diese Überlegungen für meine eigene Zucht ?

Ich setze keine Hunde zur Zucht ein, über deren Hüteeigenschaften ich mich nicht hinreichend informiert habe. Dabei kommt es mir nicht in erster Linie um Erfolge bei Hüteleistungsprüfungen - Trials - an, obwohl diese eine hervorragende Möglichkeit zum Beurteilen der Hunde sind. Hunde, die ich selber ausgebildet oder deren Ausbildung ich begleitet habe, kann ich natürlich am besten einschätzen, vor allem auch was ihr Wesen und Temperament angeht. Noch wichtiger als die eigenen Leistungen der Hunde selbst, die auch in hohem Maße von  ihrem Besitzer und ihrer Ausbildung beeinflusst werden, sind mir aber die Eigenschaften ihrer Nachkommen, dies gilt besonders für Deckrüden.

Ob ein Hund im Sport erfolgreich ist, stellt für mich kein Kriterium für die Zuchtwahl dar, noch weniger etwaige Ausstellungserfolge. Dabei achtet ich aber sehr wohl auf ein "funktionelles Exterieur", wie es passenderweise in der holländischen Zucht genannt wird. Damit ist gemeint, dass der Körperbau des Hundes ihn zu einer ausdauernden rassegemäßen Leistung befähigen muss, ganz so wie unser Border Collie-Standard es  fordert.

Welche Eigenschaften stehen nun bei der Zuchtwahl für mich im Vordergrund?

Ein amerikanischer Züchter lässt seine Welpeninteressenten einen Fragebogen ausfüllen, in dem u.A. folgende Frage gestellt wird : 

Rangieren Sie die folgenden Eigenschaften in der Reihenfolge ihrer Wichtigkeit!

Hüteinstinkt  -  Körperbau  -  Temperament  -  Farbe  -  Persönlichkeit/Wesen  -  Energieniveau/Aktivitätsbedürfnis  -  Gesundheit  -  Abzeichen  -  Größe  -  Abstammung.

Eine schwierige Frage ! Für mich stehen  drei Eigenschaften ganz klar im Vordergrund : Hüteinstinkt, Persönlichkeit/Wesen und Gesundheit. Welche davon die wichtigste ist, möchte ich gar nicht entscheiden. Der beste Hüteinstinkt nützt nur wenig, wenn der Hund wegen gesundheitlicher Problem nicht arbeiten kann. Die beste Gesundheit erfreut mich nicht, wenn der Hund charakterliche Mängel aufweist oder den rassetypischen Hütinstinkt vermissen lässt. Und auch ein vorzügliches Wesen, das sich des öfteren in der Tierarztpraxis beweisen muss, macht mich allein nicht glücklich. Ich denke, dass eine gelungene Kombination ALLER oben genannten Eigenschaften das anzustrebende Zuchtziel sein sollte, auch wenn dies eine schwer lösbare Aufgabe ist.

Aber für mich bedeutet Border Collie-Zucht  noch mehr als sorgfältig geplante Verpaarungen und optimale Welpenaufzucht. Ganz besonders wichtig ist für mich die Auswahl und Betreuung der Welpenkäufer. Da Border Collies in vieler Beziehung anders sind als andere Hunderassen und sie in Deutschland noch nicht so lange verbreitet sind, besteht ein großer Informationsbedarf über diese Rasse und die Anforderungen, die sie an eine Haltung stellt. Nicht jeder Mensch wird - auch bei besten Absichten - mit einem Border Collie glücklich werden. In jedem Fall aber entstehen immer wieder Fragen zu Erziehung, Fütterung, Gesundheit, Ausbildung, die ich mich nach besten Kräften zu beantworten bemühe. Darüber hinaus interessiert es mich als Züchter sehr, wie sich meine Welpen im Laufe ihres Lebens entwickeln und ob sich meine Absichten bei der Zuchtwahl verwirklicht haben. Aus diesen Gründen schließe ich mit meinen Welpenkäufern einen detaillierten schriftlichen Kaufvertrag ab, der sich bisher sehr gut bewährt hat.

Ein Muster dieses Vertrages können Sie hier lesen.