Die Flip Tagebücher

28.01.2001  

 Schneesturm über Brünnighausen

Na, habt ihr ordentlich eure Brillen geputzt ? Nein, es ist auch wirklich keine Fotomontage ! Habt ihr Nellie wiedererkannt ???

Tja, der Schneesturm hat zweimal vier Pfoten und ist eigentlich gar nicht so stürmisch. Aber es gibt wahrhaftig zur Zeit beim Clan Alba drei weiße Border Collies. Es sind Bruder und Schwester, ca. 1,5 Jahre alt, links im Bild die Hündin (Lilly) und rechts vorn Sam.
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Aber zunächst zur Vorgeschichte : Kurz vor Weihnachten entdeckte meine Freundin Denise im Internet das Bild eines weißen Border Collies, der von einer irischen Rescue-Organisation zur Vermittlung ausgeschrieben wurde. Diese Organisation vermittelt Hunde auch nach Deutschland, wenn sich denn ein passender Interessent findet. Nach längeren geistigen Bauchschmerzen entschloss ich mich, doch wenigstens mal nachzufragen. Was ich dort über Yule hörte, war alles so positiv, dass ich mich entschloss, sie zu "reservieren" und mir live anzusehen. Eine entgültige Entscheidung mußte ich natürlich davon abhängig machen, wie sie mir gefallen würde und vor allem davon, was mein Rudel, vertreten durch die Chefin Nellie dazu sagen würde. Kurz und gut, die Reise nach Saarbrücken (dort machen die Irland-Border Collies Zwischenstation) war für den 20.01.01 geplant.

Und jetzt schlug das Schicksal zu ! Am 18.01. erhielt ich die Nachricht, dass die Irland-BCs erst eine Woche später rüber kommen würden. Am 19.01. rief mich eine Bekannte an, sie hätte von einem Hinterhof-Karnickel-Hühner-Hunde-Vermehrer zwei weiße Border Collies übernommen. Ein Geschwisterpärchen, ca. 1,5 Jahre alt, die sie schon als Welpen kennengelernt hatte und die inzwischen durch drei Hände gegangen waren. Die Hündin hatte gerade einen Wurf mit 5 Welpen von ihrem Bruder gehabt (zwei weiß-schwarze, drei ganz weiße Welpen). Der erste Besitzer hatte diese Hunde meiner Bekannten auch schon mal zum Kauf angeboten, angeblich mit VDH-Papieren für 1000 DM das Stück. Ursprünglich sollten sie aus Holland stammen und eine neue Rasse sein, Blackface-Border Collies. Später stellte sich heraus, dass sie wohl eher aus dem Raum Hannover stammen. Jedenfalls wurden sie dann weiterverkauft, wobei der letzte Vorbesitzer die Hündin samt Welpen und Bruder kaufte, die Welpen verscherbelte und nun auch die Eltern wieder loswerden wollte, vielleicht weil sie sich mit Milben infiziert hatten und nun dauernd kratzten. Beide sind sehr mager und ungepflegt, die Hündin inzwischen total abgehaart, mit roter, entzündeter Haut, aber sie sind nicht ernstlich krank. Meine Bekannte fragte, ob ich vielleicht Interesse hätte, weil ich doch weiße Border Collies mag.

Nun ja, ehe ich nach Saarbrücken fahre und irische BCs rette, kann ich mir ja diese beiden armen Wesen hier in der Nähe mal ansehen, so dachte ich. Am 24.01. fuhr ich mit Nellie und Moss zu meiner Bekannten, um die beiden anzusehen. Ich habe ja schon viele weiße Border Collies gesehen, aber diese Ähnlichkeit mit Nellie war noch nie da ! Als ich die drei zusammen laufen sah, dachte ich, ich sehe alles doppelt, ein unglaubliches Gefühl. Eigentlich hatte ich ja wegen meiner Jungs nur an eine Hündin gedacht, aber jetzt käme durchaus auch ein Rüde in Frage. Um es kurz zu machen, meine Bekannte hat mir beide mitgegeben, sozusagen zum Ausprobieren. Der erste Weg führte mich dann zum Tierarzt, der zweite ging dann für die beiden in die Badewanne zwecks "Desinfektion". Danach hatte ich dann zwei schneeweiße Schneeflöckchen im Haus. Je nachdem wer von den beiden am besten zu meinem Rudel paßt, kann ich sowohl die Hündin als auch den Rüden behalten, oder eben auch beide! Der jeweils andere Hund würde dann bei meiner Bekannten bleiben. Nach drei Tagen weiß ich allerdings nur, dass ich die Hündin auf jeden Fall behalten werde.

Flip (denn Lilly und Nellie als Name geht natürlich nicht gut zusammen) ist ausgesprochen charmant, nicht nur zu Menschen, sondern auch zu Hunden. Nellie ist von ihr ziemlich begeistert, Moss und Don natürlich auch. Vorhin lag Don einträchtig Arm in Arm mit ihr auf dem Teppich und spielte versonnen. Flip kann sehr gut mit Rüden umgehen, sie spielt mit ihnen, sagt aber auch genau, wann es zu anzüglich wird. Hope ist ihr gegenüber sehr distanziert, aber nicht aggressiv oder dominierend. Lassie reagiert etwas verwundert, fühlt sich aber augenscheinlich nicht bedroht (Wie auch? Flip ist auch knapp 45 cm und wiegt 12,8 kg! Und das ohne Fell.) und ist daher sehr tolerant. 

Den Rüden Sam findet Nellie auch recht amüsant, wenn er frech wird, gibt's eben eins drauf, das versteht er sehr gut. Hope und Lassie fanden ihn anfangs schrecklich, da etwas naßforsch, aber inzwischen benimmt er sich ihnen gegenüber höflicher und dann ist es auch o.k. Moss hatte die beiden ja schon beim Abholen kennengelernt und mit Sam ganz unauffällig geklärt, wer hier wohl das Sagen hat. Trotzdem wirkt Moss am meisten beeindruckt von der ganzen Situation, er schleicht etwas bedrückt in der Gegend rum, besonders wenn ich einen der anderen Hunde ermahnen muss. Don hat noch am meisten Probleme mit Sam, dieser provoziert ihn, nicht sonderlich aggressiv, aber immer wieder und unmissverständlich. Don grollt dann zurück, ist sich aber nicht so sicher, ob das o.k. ist und das merkt Sam natürlich. Ein paar mal sind sie schon aneinandergeraten, sehr verhalten nur und ohne Ergebnis. Wenn ich was sage, hören beide sofort auf, aber die Situation ist schon etwas ungemütlich. Moss mischt sich da gar nicht ein, höchstens Nellie sagt auch mal was zu dem Geknurre. Zu Menschen ist Sam jedenfalls genau so charmant und nett wie seine Schwester. Mal sehen, was die nächste Zeit so bringt.

Jedenfalls haben die beiden mit Menschen scheinbar keine schlimmen Erfahrungen gemacht, sie sind sehr freundlich, aber nicht aufdringlich, begrüßen auch völlig Fremde voller Begeisterung. Das geht soweit, dass sie Menschen auf der anderen Straßenseite oder im Fernsehen !! schwanzwedeln begrüßen möchten. Auch mit Katzen sind sie sehr lieb, Schafe und Pferde finden sie spannend. Viel vom Leben gesehen haben sie wohl nicht, Auto, fließende Bäche, Fernseher sind augenscheinlich unbekannt. Sie kennen ihre Namen und "Sitz", kommen auch auf Ruf oder Pfiff, gehen einigermaßen an der Leine, aber sonst ist von Erziehung nichts zu merken. Auf laute tiefe Stimme reagieren sie sehr deutlich, bei freundlichem Gesäusel sind sie etwas verwundert.  
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Gestern habe ich beide an den Schafen ausprobiert. Sam zeigt gutes Interesse, läuft enge Kreise und weiß genau, wie man Schafe zusammenhält, schnappt aber nicht. Flip wirkte etwas erstaunt über die großen beweglichen Pelzberge, eher wie ein 6 Monate alter Welpe, aber lief auch ihre Kreise und schnappte immer mal nach Wolle. Vielleicht werden sie nicht die Hütegranaten, aber eine Ausbildung lohnt sich sicher. Bällchenspielen tun sie übrigens auch, wieweit daraus eine Agilitybegeisterung wird, werden wir dann sehen. Auf alle Fälle stellen sie sich zunächst mal als relativ problemlose Hausgenossen dar, die auch artig im Käfig sitzen, morgens zusammen im Stall bleiben und auch nicht sooo aufeinander fixiert sind, dass man sie gar nicht voneinander trennen könnte.

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Wegen Yule hatte ich natürlich zuerst ein schrecklich schlechtes Gewissen, aber wie das Schicksal es so will, hat sich schon eine andere Interessentin für sie gefunden, so dass sie wohl trotz meiner Absage nach Deutschland umziehen wird. *

* ( Leider hat sich dies bis heute - 16.04.2001 - nicht bestätigt. Wer Interesse für Yule hat, die anscheinend  auch ein ganz reizender, unproblematischer Border Collie ist, kann sich auf dieser website informieren.)

Ist das Ganze nicht eine geradezu abenteuerliche Geschichte? Und ich dachte immer, ich müsste mir meinen nächsten weißen Border Collie selber züchten. Auch wenn ich nicht wirklich 7 Hunde haben will - und ja auch wahrscheinlich nur einen von den beiden behalten werde - ist es doch nach der Sache mit Fionn wirklich schicksalhaft, findet ihr nicht?


13.04.2001

Inzwischen hat sich das Leben im 7er-Rudel eingespielt. Die Rangordnung hat sich geklärt, Don ist eindeutig Nummer 2 geblieben (bei den Rüden), er dreht in regelmäßigen Abständen Sam auf den Rücken und schleckt ihn dann genüsslich von oben bis unten ab, besonders die Ohren. Sam ist davon nicht besonders begeistert, ordnet sich aber ohne jeden Widerspruch unter. Lassie hat inzwischen gemerkt, dass Flip nun wohl doch kein Welpe mehr ist und muss immer wieder deutlich ihre Vorrangstellung beweisen, so ganz klassisch nach Lehrbuch mit auf den Rücken drehen und nicht aufstehen lassen. Aber Flip kennt diesen Zirkus ja, dreht und windet sich, solange es nötig ist und springt dann wieder fröhlich rum.

Auch im täglichen Alltag läuft vieles schon ganz normal, so Dinge wie ins Auto steigen oder warten, bevor man aussteigt usw. funktionieren schon fast wie bei den „Alteingesessenen“. Allzu viele Kommandos klappen allerdings noch nicht, die beiden sind einfach zu sehr daran gewöhnt, dass man auf jede Art von Anforderungen seitens eines Menschen nur mit Unterwürfigkeit, schmeichelnden Beschwichtigungsgesten wie Pfötchengeben und vor’s Schienbein schmeissen zu reagieren braucht. Dass ich damit nicht zufrieden bin, wundert sie immer noch, aber langsam begreifen sie auch, was Platz heißt oder Warte. Natürlich lernen sie so etwas am leichtesten bei den Schafen.
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Sam hat schon erstaunliche Fortschritte gemacht, nachdem er das Liegenbleiben und warten gelernt hat, können wir jetzt auch gezielt den Outrun üben. Sein Enthusiasmus ist jedenfalls so groß, dass er letzte Woche vom Hof verschwand und bis zu den Schafen am Scheelenholz (ca. 1,5 km) lief. Er blieb dort artig außen am Zaun und war ganz erstaunt, als ich auch dort auftauchte. Jedenfalls denke ich, dass er bei meiner Bekannten, wo er als Hütehund an ca. 200 Schafen arbeiten soll, ein zufriedenes Leben führen wird.

Auch Flip arbeitet mit großer Begeisterung und mit Geschick an den Schafen, allerdings mangelt es durch die (noch) fehlenden Kommandos ein bisschen an der gezielten Zusammenarbeit. Aber wir können uns ja soviel Zeit nehmen wie nötig ist.

Gegenüber der Anfangszeit  hat Flip einen Menge mehr Fell bekommen. Zur Zeit sieht sie fast so aus wie die jugendliche Nellie im abgehaarten Zustand. Ein bisschen Sorge bereitet mir ihr merkwürdiger Bewegungsablauf, der nichts Gutes bezüglich ihrer Hüften ahnen lässt. Eine Röntgenuntersuchung ist zusammen mit der Kastration geplant, aber da die Dame gerade läufig war, wollen wir damit noch zwei Monate warten.


14.04.2001

Habe mit Flip jetzt das Clickern angefangen. Targetstick ging blitzschnell, aber alles andere dauert wohl etwas länger, sie muss immer schrecklich lange nachdenken, ehe sie etwas tut.


Fortsetzung folgt...

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