Bericht über die 17. Europameisterschaft für Hütehunde
 am
23.-26.08.2001 in Rambouillet

Unser EM-Abenteuer begann am 22.08. Los ging's am Mittwoch "gleich nach der Schule"  mit meinem tapferen alten VW-Bus, zunächst Richtung Saarbrücken. An Bord : Moss (die Hauptperson), Nellie (die Mutter der Hauptperson), Don (der kleine Neffe, der gleich lernen wollte, wie's richtig geht), Birte (Moss' persönlicher Wasserträger und Fan, ADAC-geschulter Langstrecken-VW-Busfahrer), Glen (Birte's ständiger Begleiter, tricolour) und ich. Der Rest der Familie blieb zu Hause und übte sich im Pfotendrücken, der einzigen Tätigkeit, die man bei dieser Hitze noch ausführen konnte. Nach 5,5 Stunden waren wir am Etappenziel und übernachteten bei Moss' Bruder Glen und seinem Rudel. Am nächsten Morgen ging es dann mäßig zeitig los und nach einer verworrenen Durchquerung von Saarbrücken (können die nicht mal 'ne Autobahn drumrum bauen ???) ging's dann gradlinig (abgesehen von den zahlreichen Maut-Stationen) Richtung Paris, ohne Staus oder Probleme  durch Paris hindurch und noch ein bisschen weiter nach Rambouillet. Dort war das Zurechtfinden etwas schwieriger, schließlich war erst Donnerstag, warum sollte man die Veranstaltung da schon ausschildern ? Nach lehrreicher Rundfahrt durch die pittoreske Innenstadt und den wunderschönen weitläufigen Schlosspark, sowie Erforschung einiger Hühnerausläufe hinter der Bergerie Nationale fanden wir dann hinter den Ställen eines Reitsportzentrums etwas, das wie ein Campingplatz aussah. Und siehe da, auch bekannte Autokennzeichen und Hundeanhänger waren zu entdecken, also hatten wir unser Ziel erreicht, juhu!

Nach einem ausführlichen Rundgang durch die Örtlichkeiten entdeckten wir dann auch den Hinweis, wo man sich anmelden könne, um seine Startnummern und Essenstickets zu erhalten und die Vet-Kontrolle zu absolvieren. Vor der beeindruckenden Kulisse der schlossartigen Bergerie Nationale (Nationale Schäferei, ein Forschungs- und Bildungszentrum für Landwirtschaft) wurde man dann von einem rührigen Fotograf begrüßt, der einen vor seine Kamera schleppte: "Souvenir gratuit, oui, oui" . Die Ergebnisse seiner Bemühungen kann man auf der Fotoseite bewundern. Dann kamen wir gerade noch rechtzeitig zur Parcoursbegehung bzw. zum Briefing. Dachte ich. War aber noch gar keiner da, jedenfalls kein Offizieller. Nach einer ausgiebigen Wanderung über den weitläufigen, leicht hügeligen, aber sehr übersichtlichen Parcours, während der wir auch zuschauen konnten, wie probehalber 5 Schafe mit dem Hänger herangefahren, ausgeladen und zum Pfosten bewegt wurden, sammelten sich dann die handler im Shedding-ring und schließlich ergriff Jimmy Easton, altbewährter Course-Director aller bisherigen EMs das Wort, um uns die Lage zu erläutern. Leider hatte er keinen Übersetzer auftreiben können, aber als Border Collie-Mensch versteht man ja Englisch. Die vorgesehenen Aufgaben waren nicht ungewöhnlich, ungewöhnlich war eher, dass bisher erst einer der zwei vorgesehenen Richter vor Ort war, nämlich Frank Cashen aus Irland, der 1997 das International gewonnen hat. Der zweite Richter wäre John Thomas gewesen, der mit Craig, dem Ur-Ur-Ur-Großvater von Moss das International 1977 gewonnen hat und auch schon u.A. das berühmte Golden Whistle Trial in Postel, Belgien gerichtet hat. Leider traf er auch später nicht mehr ein und am Sonntag ging das Gerücht um, dass er am Donnerstag pünktlich losgeflogen und angekommen sei, aber nicht abgeholt wurde und dann nach 10 Stunden (!!) Wartezeit wieder nach Hause geflogen sei. Ob's stimmt, wer weiß. Nun ja, es ging auch so und Frank hat seine Sache wirklich gut gemacht, knallhart gerichtet, aber fair und mit einem guten Auge für das Durchhaltevermögen der Hunde bei dieser Hitze. Aus diesem Grund gab es auch mehrere Sonderregelungen. Zunächst einmal den Beschluss, die Schafe nicht wie ursprünglich geplant, vom Sortierpferch zum Pfosten zu treiben, sondern sie im Hänger zu fahren, um eine zusätzliche Belastung durch das Treiben zu vermeiden. Das hat auch prima geklappt und nur zweimal ging ein Trupp Schafe "verloren" und musste durch einen neuen ersetzt werden. Die Jungs am Pferch haben ihren Job wirklich klasse gemacht und 10 Stunden am Pferch bzw. auf dem Feld bei den Schafen in der Sonne war sicher kein Zuckerschlecken. Auch wenn sie's nicht lesen werden, meine Hochachtung und herzlichen Dank dafür. 

Die zweite Hitze-Regel war, dass zwei Wasserbottiche für die Hunde im Parcours standen, einer am Ausgang und einer am Shedding-Ring, deren Benutzung nur Zeit kostete, aber keinen Punktabzug brachte. Auch wenn während der Quali-Läufe am Freitag und Samstag kein Hund davon gebrauch machte, am Sonntag im Finale hätten einige Hunde ohne die Abkühlung zwischendurch wohl schlapp gemacht. Die dritte Regel war, dass der Richter, wenn er der Meinung war, dass ein Hund gut gearbeitet  und alles gegeben hatte, jetzt aber am Ende seiner Kräfte war, ihn zurückziehen, aber ihm alle bisherigen Punkte lassen würde. Natürlich kann der handler seinen Hund jederzeit zurückziehen, aber dann verliert er eben alle seine Punkte, dies machten dennoch 5 handler, der Richter zog zwei weitere Hunde "aus dem Verkehr". Dis gingen übrigens 8 Hunde, meistens, weil sie über den Zaun aus dem Parcours sprangen, z.T. auch wegen Beißens.

Nachdem wir nun informiert waren, auch das Pferchtor ausprobiert hatten, das stabil genug für Bullen gewesen wäre, fielen wir müde ins Bett bzw. Zelt und träumten dem großen Tag entgegen. Da die Startreihenfolge sich nach der Platzierung bei den einzelnen Länderqualifikationen richtet, waren Moss und ich ziemlich früh dran. Unsere deutsche Nummer 8, Viola Hebeler mit Paco (Don's Papa) war gleich als Zweite dran, diesmal ein eher ungünstiger Startplatz, obwohl es noch schön kühl war. Aber es ist doch sehr nützlich, wenn man sich erst mal ganz in Ruhe die Schafe ansehen kann. Für die EM hatte man extra eine Herde Texel-Charolais-Kreuzungen aus Mittelfrankreich nach Rambouillet geholt, eher kleine, rundliche Schafe, frischgeschoren und in absoluter Topkondition. Auch bei größter Hitze kamen sie kaum mal ins Hecheln und waren auch bei etwas schnellerem Treibtempo flott zu Fuß, dabei nervenstark, aber nicht aggressiv. Wirklich richtig gute Trialschafe, aber trotzdem mit Vorsicht zu behandeln. Nach dem Eindruck der Texelschafe bei der DM in Holt, die sehr nachtragend waren und flottes Tempo sehr ungnädig aufnahmen, meinte es Viola mit der Vorsicht etwas zu gut, was wiederum diese Schafe veranlasste, den Hund nicht mehr recht ernst zu nehmen und ihm Schwierigkeiten zu machen. Das etwas enttäuschende Ergebnis waren 57 Punkte und der 49. Platz in der Gesamtwertung (von 71 Teilnehmern). Danach kam gleich ein 87 Punkte-Lauf eines Belgiers, dann aber auch nur mäßig gute Läufe. Da ich die Hunde nicht kannte, konnte ich leider nicht die richtigen Schlüsse ziehen, aus dem was da so vor unseren Augen ablief, aber ich hätte eigentlich gewarnt sein müssen!

Mit Startnummer 11 waren wir dann so gegen 11.00 Uhr an der Reihe. Auch wenn's mir wohl keiner glauben wird, ich war wirklich nicht sonderlich aufgeregt. Das Gelände war übersichtlich, ohne ersichtliche Tücken, die Schafe nett und gut zu kalkulieren und auf meinen Moss kann ich mich eben verlassen, wozu also aufgeregt sein?

Der Start zum Outrun geht auch problemlos, Moss macht den Eindruck, als hätte er die Schafe gesehen, auf 450 m gar nicht so einfach für einen Hund. Er hält dann während des Outruns immer schön Ausschau, um nicht die Orientierung zu verlieren, auch in einer kleinen Bodenwelle, wo er den Pfosten nicht mehr sehen kann. Er kommt ohne irgendwelche Kommandos gut hinter den Schafen an, stoppt vielleicht einen Hauch zu früh und beginnt, die Schafe zu liften. Alles in bester Ordnung also ! Das scoresheet, das wir dann am Sontag erhielten, zeigt das auch an : Outrun 19 Punkte (von 20), Lift 10 Punkte (von 10). Der Fetch beginnt flüssig, der Hund "liegt gut in der Hand", d.h. Moss hört gut zu, reagiert schnell (das ist auf große Entfernung nicht immer selbstverständlich, Schall wandert bei Gegenwind manchmal erstaunlich langsam) und er stoppt gut und flankiert zügig und weit. Kurz vor dem Fetchgate dann das erste Problem: eine Rechtsflanke kommt gut durch, aber das Stoppkommando klappt nicht, die Korrektur durch einen Linksflanke kommt viel zu spät, weil Moss zögert und die 5 Schafe driften ganz knapp am Gate vorbei. Nun ja, 5 Punkte weg, aber kein Drama. Der turn um mich und den Pfosten ist recht ordentlich und eng genug, das Treiben zum rechten Drivegate beginnt. Moss arbeitet zügig, aber aufmerksam und wirkt auch nicht sonderlich gestresst. Und wieder ein völlig unerwartetes Problem: kurz vor dem Tor eine Korrektur nach links, wieder kein Stopp, ich pfeife und rufe, aber Moss läuft einen 3/4-Kreis um die Schafe, kippt sie und beginnt, sie nach links zu treiben!!! Erst viele Meter vom Tor entfernt zeigen meine Pfiffe wieder die erwartete Wirkung, wir nehmen nach einem dramatischen Umweg einen neuen Anlauf und diesmal ist Moss auf dem richtigen Kurs, um die Schafe durch's Tor zu bringen und nach links zum Quertreiben zu wenden. Ich bin ziemlich verwundert und kann mir überhaupt keinen Reim darauf machen, wieso Moss rechts und links verwechselt und das Stopp glatt überhört. Vor dem nächsten Treibtor wieder der gleiche Zirkus, kein Kommando funktioniert richtig, als wenn jemand die "Fernsteuerung" sabotiert hätte. Wieder drehen die Schafe einige Ehrenrunden und dann verpassen sie doch das Tor. Moss guckt sich mehrfach nach mir um, reckt den Hals und schaut mich verwundert an. Er ist sichtlich bedrückt. Erst als er die Schafe zu mir in den Shedding -Ring bringt und ich ihm ein paar beruhigende Worte sage, schnauft er erleichert und entspannt sich wieder. Nun ja, schließlich haben wir nichts mehr zu verlieren und schauen mal, was wir aus den restlichen Aufgaben so machen. Für das Treiben haben wir dann von 30 Punkten einen ganzen Punkt behalten, dafür, dass wir mit den Schafen doch noch angekommen sind. Erst im weiteren Verlauf des Trials, als ich Hund für Hund an genau denselben Stellen genau dieselben Schwierigkeiten bekommen sah, ging mir der berühmte Kronleuchter auf. Beide Treibtore standen in einer Senke, die aufgrund irgendwelcher merkwürdiger Luftströmungen zu einem Funkloch oder einer Art Soundfalle wurden, so dass die Hunde einfach nicht hören oder unterscheiden konnten, was ihnen zugepfiffen wurde. Und das ist dann die Kehrseite des super führigen Trialhundes, der wie ferngesteuert arbeitet: versagt die Steuerung, fühlt sich der Hund alleingelassen und versucht nach besten Kräften, dass zu tun, was er glaubt, tun zu sollen. In Moss' Fall also das (zu frühe) Quertreiben bzw. das (auch zu frühe) Zurückbringen vom zweiten Treibtor. Schon spannend zu sehen, dass die Hunde eben doch nicht verstanden haben, dass die Schafe durch zwei frei in der Wiese stehende Tore (ohne Zaun drumrum!!) gehen sollen, sondern dass sie sich voll und ganz darauf verlassen, was ihr Mensch ihnen sagt. Welch Vertrauen!

Im Sheddingring waren es dann eher die Schafe, die Schwierigkeiten machten. Eigentlich klebten sie gar nicht sehr aneinander, aber von 5 Schafen trugen 2 ein Halsband und von den dreien ohne Halsband mußten 2 abgetrennt werden. Natürlich standen aber immer die mit Halsband gut verteilt dazwischen und wir mußten endlos jonglieren, bis doch einmal die richtige Position kam. Richtige Fehler haben wir eigentlich nicht gemacht, die Schafe liefen auch nicht aus dem Ring, aber letztlich blieben doch nur 2 von 10 Punkten übrig. Das Einpferchen lief dann ziemlich glatt, Moss leitete die Damen in schönen Tempo zum Pferch, aber im letzten Moment mußten sie doch noch einmal umdrehen und ganz genau hingucken, ob dieser Hund ihnen was zu sagen hätte. Hatte er wohl, denn kurz darauf entschlossen sie sich, den Pferch zu betreten und wir hatten 8 Punkte (von 10) gerettet. Zum Abschluss kam das Single, bei dem ein Schaf mit Halsband abzutrennen war. Würde die Zeit reichen, 15 Minuten sind schnell um, wenn man Umwege macht beim treiben. Aber es klappte, Moss war noch frisch und freudig zur Stelle, als die Gelegenheit sich bot und mit 7 von 10 Punkten für's Single und 53 Punkten (von 110) insgesamt beendeten wir unser erstes EM-Trial. Der 51.Platz lag zwar nicht im zweiten Drittel des Teilnehmerfeldes, wie ich mir gewünscht hätte, aber er ist doch sehr respektabel. Auch die Tatsache, dass zwei andere (erfahrenere) deutsche Starter mit jeweils 57 Punkten auf den Plätzen 50 und 49 direkt vor uns lagen, tröstet mich ein wenig. Am wichtigsten aber ist mir, dass Moss und ich uns keine dummen Fehler vorzuwerfen haben, sondern das Beste aus einer unerwartet schwierigen Situation, mit der auch alte Trial-Hasen ihre liebe Not hatten, gemacht haben. Und schließlich gibt's da ja auch noch das schöne Motto "Dabei sein ist alles". Wie wahr !!!

Nachdem Moss und ich unseren Lauf also mit Anstand beendet hatten, konnte ich mir  nun ganz entspannt die anderen Läufe ansehen. Dazu wäre bei der Gluthitze ein Plätzchen im Schatten nett gewesen. Aber in Frankreich scheint es nur Sonnenanbeter zu geben, jedenfalls hatte der Veranstalter keine Zelte oder sonstige Schattenspender aufgebaut, außer einem romantischen Getränkepavillion, der aber so abseits lag, dass man leider vom Trial nichts mitbekam. Als alter Agility-Turniergänger war ich natürlich passend ausgestattet mit einem 3x3m Pavillion, den wir auch rechtzeitig an passender Stelle aufgebaut hatten. Schade nur, das wir keinen Platz mehr darunter fanden !!! Viele Zuschauer wollten doch wohl ein bißchen Schatten und drängten sich dicht an dicht unter UNSEREM Zelt ! Da hieß es die längst verschütteten Französisch-Kenntnisse mobilisieren und (mehr oder weniger) höflich darauf hinweisen, dass dies kein öffentliches Zelt sei. Im Laufe der nächsten zwei-einhalb Tage hatten wir jedenfalls reichlich Gelegenheit, unsere Kommunikationsfähigkeiten zu üben und es hat dann auch meist gut geklappt, wenigstens Platz für zwei Personen und Hunde freizuschaufeln. Nur gesehen haben wir nicht immer was, manche Leute haben doch wirklich ein breites Kreuz und eiserne Nerven ;-))

Der Starter mit der Nummer 13 war dann Erik Holmgard aus Dänemark mit seinem erst zweijährigen (!!!) Rüden Moss, der den bisher besten Lauf mit 94 Punkten hinlegte. Am Sonntag im Finale schaffte er es übrigens auf den 9. Platz. Mit einem so jungen Hund auf der EM zu starten, ist wirklich etwas ganz Besonderes, obwohl diesmal 4 Zweijährige und 3 Dreijährige dabei waren. Das Durchschnittsalter der gestarteten Hunde lag allerdings bei 6 Jahren und das ist wohl auch eher der "Normalfall" für den Start auf einem solchen Trial (im Einzelnen : 7x 4J., 13x 5J., 15x 6J., 7x 7J., 12x 8J.) Vier Hunde waren schon 9 Jahre alt, auch das eine Spitzenleistung, denn die körperliche Belastung, besonders in den Finalläufen ist doch ganz erheblich. Besonders schön konnte man da aber sehen, dass die "alten Hasen" ihre Kräfte viel besser einteilen konnten als manche jungen Heißsporne und meist weniger erschöpft aus dem Parcours kamen. Marc Morren mit seiner 9-jährigen Bwlch Jill kam (wieder einmal) ins Finale und erreichte am Sonntag den 10. Platz, eine tolle Leistung.

Aber zurück zum Freitag. Die nächste deutsche Starterin war Anita Hermes mit ihrem 6-jährigen Josh, der im letzten Jahr 9. auf der EM in der Schweiz war. Sie schaffte mit 78 Punkten einen respektablen, aber nicht überragenden Lauf, der diesmal nicht für das Finale reichte. In der Gesamtwertung kam sie auf den 26.Platz. Als Startnummer 23 kam dann der letztjährige EM-Sieger, Torbjörn Jaran Knive mit seiner jetzt 4-jährigen Lyn. Auch diesmal wieder ein unspektakulärer, aber genialer Lauf, der mit 96 Punkten die Führung brachte. Der nächste deutsche Starter war Horst Ludwig mit seinem Lad, einem meiner persönlichen Favoriten. Horst hat diesen Hund im letzten Jahr fertig trainiert aus GB gekauft, nachdem sein voriger Hund Roy, mit dem er 1999 deutscher Meister wurde, durch einen tragischen Unfall ums Leben kam. Horst und Lad haben schnell zueinander gefunden, was sich ja auch in der EM-Teilnahme zeigt. Leider hatten sie am Freitag nicht so viel Glück. Die schon beschriebenen "Funklöcher" störten auch ihre Zusammenarbeit erheblich, so dass ihnen am Schluss die Zeit ausging und sie das Single nicht mehr schafften. 68 Punkte und der 36.Platz brachten die beiden wenigstens ins Mittelfeld aller Starter. Spitzenläufe gab es dann noch zu sehen von dem Norweger Sanders Hindenes mit seinem 7-jährigen Glen, der mit 90 Punkten das Finale erreichte und seine Qualitäten am Sonntag mit einem 102 Punkte-Lauf und dem 2.Platz im Finale bestätigte. Fast ebenso gut Paul Wellemans, Belgien, mit seinem 8-jährigen Rob, der mit 84 Punkten noch knapp ins Finale kam. Rob ist ein Sohn von Bobby Dalziel's Int.Sup.Ch.Wisp und daher ein "Onkel" meines Moss. Seine Arbeitsweise erinnert mich immer sehr an Wisp (den ich zwar nur von Videos kenne) und er ist schon seit Jahren ein sehr erfolgreicher Trialhund. Diesmal brachte er es im Finale mit 96 Punkten auf den 6.Platz. Somit haben sich am Freitag nur 5 Hunde für das Finale qualifiziert, nicht ungewöhnlich, da wie schon gesagt die Startreihenfolge von der Platzierung in den nationalen Qualifikationen abhängt und die Spitzenhunde also am zweiten Tag starten sollten.

Samstag ging es dann mit einem meiner Lieblingshunde los, der inzwischen 8-jährigen Iole von Anthonie Wolters aus Frankreich. 1999 in Heimburg war sie mir besonders aufgefallen, denn sie ist ganz weiß mit vielen mottles und "Mega-Hut-Ohren", das heißt, ihre gut bepelzten Stehohren treffen sich oben über dem Kopf, wenn sie konzentriert arbeitet. Fotos von ihr gibt's auf meiner hp auf der "weißen Seite". Mit 77 Punkten hatte sie einen recht ordentlichen Lauf, der sie auf den 27. Platz brachte. Nächster Starter war dann der deutsche Wolfgang Steffan mit seiner 7-jährigen Bess (gezogen von Katy Cropper, GB), der auch im letzten Jahr schon auf der EM dabei war. Obwohl fast alle Starter bisher ausnahmslos den Outrun zur rechten Seite wählten, weil einfach eine größere Übersichtlichkeit gegeben war, schickte Wolfgang seine Bess nach links. Prompt verlor sie den Überblick, kreuzte ihren Outrun und war nur mit Mühe hinter die Schafe zu bringen. Punktemäßig waren die beiden damit aus dem Rennen (Kreuzen kostet fast alle Punkte beim Outrun!) und auch die Nerven waren bei beiden ziemlich strapaziert, so dass am Ende 57 Punkte und der 50.Platz übrigblieben. Der Norweger Kjetil Vasstveit, dessen 8-jähriger Rex mich vom Arbeitstil her sehr an meinen Moss erinnerte, zeigte mit 95 Punkten einen hervorragenden Lauf, den er am Sonntag im Finale mit einem 97-Punkte-Lauf sogar noch steigern konnte und der damit den 5. Platz erreichte. Als weitere Finalteilnehmer qualifizierten sich am Samstag noch  Ron Roogar, Niederlande mit Roy und Trish, Sanders Hindenes mit seinem zweiten Hund Meg (4 Jahre), Tjisse Terpstra,NL. der Europameister 1999, diesmal mit seiner 3-jährigen Era, Patrick Leroux, Frankreich mit Iolita (8 Jahre), Antoine Brimboeuf, der französische Organisator der EM mit seiner Mousse (5 Jahre), Marc Morren mit seiner oben erwähnten Jill und Anne Krüger mit ihren beiden Hunden Laddie und Flip, die vielen auch Nicht-Border-Collie-Fachleuten ja inzwischen aus dem Zoo Hannover bekannt sind. Claus Börner, der mit seinem 9-jährigen Nick als Startnummer 55 in der größten Mittagshitze starten mußte, hatte diesmal kein Glück und kam mit 72 Punkten auf den 33. Platz. Anne schaffte es dagegen mit Laddie (6 Jahre) mit 84 Punkten gerade noch ins Finale. Laddie ist ein Halbbruder von Paco (beider Mutter ist Anne's Jess) und ist damit ein "Onkel" von meinem Don, Heike's Scotty und Denise's Lynn. Mit ihrer erst 3-jährigen Flip wurde Anne mit ebenfalls 96 Punkten (wie  Torbjörn Jaran Knive), aber einem Punkt weniger für OLF, (Outrun-lift-fetch) zweite der Qualifikationsläufe. Auch Flip ist "Verwandschaft", denn ihre Mutter Lannox ist eine "Tante" meines Moss, ihr Vater Cap of Craigrowan und Moss' Vater Ettrick Joe sind Vollgeschwister. Ich finde es doch immer wieder interessant, die Vererbung von Hüteleistungseigenschaften auf diese Weise beobachten zu können. Besonders beeindruckend fand ich am Samstag auch Ron Roogar's Trish, auch noch sehr jung (2 ?), die durch ihre lebhafte, fast stürmische Arbeitsweise ziemlich aus dem Rahmen fiel unter all diesen super kontrollierten "Fernlenkraketen". Dazu noch ihr üppiges, hochweißfaktoriertes Fell, ein richtiger "Hingucker" ! Mit 90 Punkten gelangte sie komfortabel ins Finale und am Sonntag konnte sie sich mit ihrer unkonventionellen Art glatte 100 Punkte und den dritten Platz der Gesamtwertung sichern! Mit Spannung sahen wir also nun dem Finale mit den besten 15 Hunden der beiden Tage entgegen.

Vorher gibt's aber noch über ein paar andere Ereignisse zu berichten. Das angekündigte Rahmenprogramm der EM mit allerlei Vorführungen war mir bisher vor allem während der Mittagspausen aufgefallen, während denen in der Reithalle, die als Speisesaal diente (eigentlich ganz praktisch, da großräumig und unproblematisch für mitgebrachte Hunde) Reitvorführungen gezeigt wurden, vor allem Spanische Dressur und Western Pleasure. Die anderen Vorführungen fanden nicht etwa in den Pausen, sondern während des laufenden Trials statt, was besonders bezüglich der Agility-Vorführung ziemlich problematisch war, obwohl der (sehr kleine) Agility-Ring ganz am Ende des Geländes lag. Trotzdem klang das hysterische Gekläffe der zuschauenden Hunde, das ich von deutschen Turnieren nun überhaupt nicht gewohnt bin, hier völlig ungebremst zum Trialfeld herüber. Glücklicherweise ließen sich die Starter und auch die Schafe hiervon nicht beeindrucken, aber es war schon sehr lästig und auch völlig überflüssig! Auch ein Agilityhund kann lernen, gesittet und ohne zu kläffen zuzuschauen. Auch wenn es ein Mallinois ist !! Noch unglücklicher verlief eine sogenannte Hütevorführung mit Rindern. Als Hüteobjekt hatte man sinnigerweise Limousin-Jungbullen ausgewählt, die keine Hunde kannten! Der ältere erfahrene Hund, der sie arbeiten sollte, war schlau genug, sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, der jüngere, der noch keine Rinder kannte, hatte weniger Glück. Angestachelt durch seinen Besitzer, versuchte er sich gegen einen auf Kampf eingestellten Bullen durchzusetzen und geriet dabei unter den Bullen, der ihm das Hinterbein brach. Wer weiß, was noch alles passiert wäre, wenn sich nicht Birte als Zuschauerin eingeschaltet und den Hund sofort tierärztlich notversorgt hätte. Eine ganz böse Geschichte, denn gerade bei einer solchen Vorführung, bei der übrigens fast keine Leute zugeschaut haben (glücklicherweise, muss man ja wohl sagen) muss man doch ganz besondere Vorsicht und Sorgfalt walten lassen. Am nächsten Tag standen dann schwarz-bunte Färsen auf der betreffenden Koppel, ob mit ihnen wieder eine Vorführung gemacht wurde, weiß ich nicht, da ich ja die Trialläufe beobachtet habe. Der Hund wurde übrigens am nächsten Tag operiert und hat angeblich gute Überlebenschancen. Hoffentlich wird er wieder ganz gesund!!!

Am Samstagabend fand auch das große Galadinner statt, an dem ich aber nicht teilgenommen habe. Nach drei Tagen Gluthitze und mit der Aussicht auf eine anstrengende Rückfahrt am nächsten Tag war mir mehr nach ein bisschen Nachtruhe bei etwas erträglicheren Temperaturen zumute als nach einem Dinner mit reichlich offiziellen Reden und einem für 23 Uhr angesetzten Tanzvergnügen (das dann tatsächlich auch so gegen 24 Uhr begann!). Von den Teilnehmer wurde jedoch viel Gutes von der Veranstaltung berichtet. Leckeres Essen, ein Vortrag über die Geschichte der Bergerie Nationale und eine Führung durch die historischen Anlagen bei Mondschein waren wohl sehr ansprechend. Auch gab es irgendwelche wichtigen Nachrichten über neue Richtlinien der FCI bezüglich der Anerkennung von ISDS-Papieren, aber was genau da nun verkündet wurde, habe ich immer noch nicht rauskriegen können.

Am Sonntag dann das große Finale. Die 15 Teilnehmer starteten in der Reihenfolge ihrer ursprünglichen Startnummern, nicht nach den Punkten aus der Qualifikation. Der Parcours war der übliche EM-Double-Gather-Parcours, d.h. der Hund muss zuerst eine Gruppe von 10 Schafen aus der linken oberen Ecke des Parcours holen (Outrun zwingend links raus), sie schräg hinüber zum mittig liegenden Fetchgate bringen, kurz dahinter stehen lassen und sich auf das Look-back-Kommando hin auf einen rechtsseitigen Outrun zum zweiten 10er-Trupp von Schafen in der rechten oberen Ecke auf den Weg machen. Auch diese Schafe müssen durch das Fetchgate gebracht werden, obwohl sie meistens direkt zu ihren da in der Nähe herumstehenden Kolleginnen rennen möchten (was manchen auch gelang). Der Hund muss dann beide Trupps vereinen und mit diesen 20 Schafen den üblichen Dreiecksparcours durch die zwei Treibtore laufen. Nun kommt das Shedding, was aber jetzt ganz anders verläuft als sonst, denn jetzt müssen die Schafe wegsortiert werden, die man nicht haben möchte, und es müssen die fünf mit Halsbändern markierten Schafe übrigbleiben. Diese werden dann eingepfercht, während die übrigen irgendwo mehr oder weniger in der Nähe herumstehen (und Schwierigkeiten machen können, weil sie zurückkommen wollen oder wegrennen und damit die fünf markierten Schafe wieder mitziehen). Mit dem Pferchen ist der Lauf dann beendet, für die ganze Sache hat man 30 Minuten Zeit.

Wie schon erwähnt, machten die Hunde jetzt gerne gebrauch von den aufgestellten Wasserbecken, denn die Hitze war einfach zermürbend. Umso beeindruckender, dass die Schafe immer noch keine Anzeichen von Formschwäche zeigten, sondern munter mitspielten. Bezeichnend auch, dass einige handler zwar eine Wasserflasche mit zum Pfosten nahmen, ihrem Hund aber keine Zeit ließen, sich im Wasser zu erholen. Andere handler wiederum schickten ihre Hunde ganz gezielt ins Wasser, auch wenn diese eigentlich nicht wollten, was vom Publikum dann am Ende des Laufes jeweils mit großem Beifall belohnt wurde. Insgesamt konnte man schon sehen, dass die Hunde wirklich bis an ihre Grenzen getestet wurden und so soll es ja auch sein, denn eine EM ist nun mal die intensivste Leistungsprüfung, die es für arbeitende Border Collies in Europa gibt und ihre Gewinner sind wirklich hervorragende Hunde mit dem entsprechenden genetischen Potential. Auch wenn die Ausbildung des Hundes und das Geschick des handlers ganz erheblichen Einfluss auf das Ergebnis haben, ohne die entsprechende Veranlagung geht es eben nicht. Auch das International Supreme Championship in GB, das ja als das bedeutendste Trial überhaupt gilt, kann kaum anspruchsvoller sein. Es wird sicher sehr spannend, wenn das erste Mal die besten Hunde des "Kontinents", wie die Briten ja gerne zu unseren Hunden sagen, am International teilnehmen dürfen. Dies war bereits geplant, musste wegen der MKS-Situation aber wieder verschoben werden. Am International nehmen übrigens bisher nur die "Nationen" England, Schottland, Wales und Nord-Irland teil.

An die Einzelheiten der Finalläufe kann ich mich (leider) nicht mehr so gut erinnern. Sicher werden im Rundschreiben der ABCD demnächst Kurzberichte darüber zu lesen sein und auch die WSN, die mit einem Stand in Rambouillet vertreten was, berichtet über die EM. Anne's Lauf mit Laddie lief erwartungsgemäß sehr zufriedenstellend, wenn auch nicht makellos. Mit 98 Punkten gab es schließlich den 4.Platz. Mit Flip, die in der Qualifikation so gut gelaufen war, ging es nun jedoch schief. Bereits kurz nach Beginn des ersten Outruns trat Flip in eins der vielen Karnickellöcher und überschlug sich mehrfach. Sie lief zwar sofort weiter, schien auch nicht verletzt zu sein, war aber doch sichtlich verwirrt. Sie ist ein Hund, der wirklich NIE ein Kommando überhört und doch kreuzte sie ganz kurz vor den Schafen ihren Outrun, weil das Stopkommando nicht durchkam. Sie brachte die Schafe dann recht ordentlich durch's Fetchgate, aber nun kam das Look-back, dass sie trotz ihres geringen Alters perfekt beherrscht. Leider konnte ich von unserem Schattenplätzchen aus den entsprechenden Teil des Parcours nicht sehen, aber an den Pfiffen kann man ja ablesen, was gerade passiert. Es war schnell zu merken, dass Flip das Look-back nicht umsetzen konnte. Anne probierte lange Zeit erfolglos, ihr doch noch den richtigen Weg zu weisen (nur durch Pfiffe wohlgemerkt), aber es gelang nicht. Schließlich gab Anne auf, holte sich vom Richter die Erlaubnis mit ihrem jungen Hund gemeinsam die Schafe oben vom Parcours zu holen und lief dann mit Flip hinauf, um ihr den Weg zu zeigen und ihr Vertrauen in den handler wiederherzustellen : "Wenn ich dir sage, da sind noch andere Schafe, dann sind da auch welche." Eine sehr vernünftige und hundefreundliche Geste, die von den Zuschauern mit viel Beifall bedacht wurde. Gottseidank hatte sich Flip nicht verletzt, sondern war wohl nur durch ihren Überschlag ziemlich verunsichert gewesen. Aber so jung wie sie ist, wird sie sicher noch oft Gelegenheit haben, auf der EM zu starten. Ihre Mutter Lannox war übrigens im letzten Jahr in der Schweiz 3. der EM.


Die endgültigen Ergebnisse kann man unter http://users.skynet.be/bk334072/abcd/events/EM2001.html nachlesen.

Gegen 17 Uhr war der letzte Finallauf beendet, kurz vor 19 Uhr begann dann die Siegerehrung in der Reithalle, nachdem auch noch die letzten Fahnen aufgehängt und die letzten Wanderpokale eingesammelt waren. Erfreulich zügig, wenn auch etwas chaotisch wurden nun die Teilnehmer des Finales und ihre Platzierungen vorgestellt und die Trophäen verteilt. Der Sieger Torbjörn Jaran Knive, ein sehr zurückhaltender, fast schüchterner junger Mann wusste bald gar nicht mehr, wohin mit den ganzen Pokalen. Jeder Teilnehmer erhielt eine Urkunde und ein score-sheet, ein (oder mehrere) gerahmte Erinnerungsfotos und eine Tüte vom Sponsor Pedigree Pal. Gegen 20 Uhr hatten Birte und ich dann die letzten Utensilien verpackt und traten den Heimweg an, der am Montagmorgen um 7.30 in Brünnighausen endete. Ich habe wirklich fast 3 Tage gebraucht, um mich von der 12 Stunden Non-stop-Rückfahrt zu erholen. Ohne Birte, die mich immer wieder beim Fahren abgelöst hat, hätte ich es überhaupt nicht geschafft, am Montag morgen (mit nur 45 Min. Verspätung, aber frisch geduscht) wieder in der Schule zu stehen. Nächstes Mal ;-) bin ich schlauer, da nehm' ich mir den Montag nach der EM gleich auch frei ;-))).

Ganz sicher wird die EM in Rambouillet ein unvergessliches Erlebnis für mich bleiben, war sie doch die erste (obwohl hoffentlich nicht die letzte), bei der ich als Teilnehmer und nicht nur als Zuschauer dabei war. Hitze macht (mich) ungeduldig und so habe ich manche organisatorischen Holperigkeiten vielleicht etwas zu eng gesehen. Als Trialteilnehmer ist man ja eigentlich an spartanische Verhältnisse wie Campingplatz auf grüner Wiese, nicht vorhandenen Stromanschluss, einen einsamen Wasserhahn für alle usw. gewöhnt. Trialling ist schließlich ein Outdoor-Sport ;-))) Aber die Sache mit dem zweiten Richter war schon eine böse Panne. Trotzdem war es ein schönes Trial, denn alles, was mit den Schafen und Hunden zu tun hatte, hat ganz hervorragend geklappt, trotz des schwierigen Wetters, und darauf kommt es schließlich am meisten an.

Nächstes Jahr findet die EM vom 29.08.-01.09. in Stockholm, Schweden statt. Darauf freue ich mich schon.

Und Moss, glaub ich, auch :-)))

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