Amy sucht ein neues Zuhause

 

 

Amy ist eine eher zierliche (15 kg, ca. 48 cm) Hündin in rot-tri, geb. am 01.05.2001. Ob sie kastriert ist, muss noch überprüft werden.

 
Seitdem ich Amy vor 4 Wochen (06.03.09) in Pflege genommen habe, hat sie ihre Stärken überzeugend unter Beweis gestellt und in ihren Verbesserungsbereichen deutliche Fortschritte gemacht.
 
Ihre Stärken sind:
  • freundliches, aufmerksames, sehr menschenbezogenes Verhalten, starke Bindung an ihre Bezugsperson
  • kuschelig und verschmust, verbringt gern Stunden in engem Körperkontakt mit ihrem Menschen, bevorzugt auf dem Sofa
  • leicht zu motivieren, besonders über Futter
  • bewegungsfreudig, geht gern Gassi, läuft hervorragend am Fahrrad (angeleint und frei), ein richtiger kleiner Aktionstraber
  • ist bei entsprechender Konsequenz gut leinenführig
  • problemlos im Freilauf, sehr guter Rückruf (außer in direktem Kontakt zu Fremden, siehe Verbesserungsbereiche)
  • fährt gern Auto
  • ist nicht futterneidisch
  • ist wachsam
  • rudeltauglich mit (bekannten) Rüden und Hündinnen
  • liebt Katzen (und deren Futternäpfe)
  • wurde bis vor drei Jahren im Agility trainiert, würde dies sicher gern weiter tun dürfen
  • kann mehrere Stunden problemlos alleinbleiben.
Eigenheiten:
  • kann Türen öffnen
  • zeigt keine Hüteveranlagung
 
Verbesserungsbereiche:
  • Bei Begegnungen mit fremden Hunden reagierte Amy zur Begrüßung mit einer kläffenden Attacke incl. Griff in die Halskrause. Inzwischen hat sie gelernt, dass a: solches Verhalten unerwünscht ist und b: dass man bei solchen Attacken auch mal den Kürzeren ziehen kann und es dann weh tut. Darüber ist sie dann sehr entrüstet und zieht sich jammernd zurück, verhält sich anschließend dem betreffenden Hund gegenüber aber weitgehend neutral. Den Versuch, andere meiner Hunde aus meiner direkten Nähe wegzumobben, hat sie sehr schnell aufgegeben. Sie zeigt sich auch wenig territorial und verteidigt weder Schlafplatz noch Spielzeug. Trifft sie auf fremde Hunde, die deutlich aggressiv drohen, so wird sie sehr vorsichtig, hält gehemmt dagegen und sucht dann Unterstützung bei ihrem Menschen. Ich halte sie für durchaus selbstbewußt, ihre Begrüßungsattacken sind nicht angstaggressiv, sie ist aber auch nicht "dominant". Ein bißchen fehlt ihr wohl die Routine hinsichtlich wechselnder Sozialkontakte.
  • Bei Begegnungen mit fremden Menschen reagierte Amy ursprünglich ebenfalls mit hysterischem Gekläff, insbesondere bei direktem Blickkontakt oder dem Versuch sie anzufassen oder Kontakt aufzunehmen. Dabei hüpft sie ganz klassisch mit den Vorderbeinen auf und ab, geht aber in der Regel nicht nach vorne. Auch hier hat sie gelernt, dass dieses Verhalten unerwünscht ist, was sie zunächst sehr erstaunlich, nahezu unglaublich fand. Futter nahm sie von Anfang an auch von Fremden, wobei es nicht ganz leicht ist, das Timing zwischen Kläffen und Futtergabe so hinzukriegen, dass es zu keiner Fehlverknüpfung kommt (vielleicht gab es solche in der Vergangenheit). Sehr wichtig scheint die Stimmungsübertragung zwischen Amy und "ihrem" Menschen zu sein. Wenn der durchblicken lässt, dass er sich in der Begegnungssituation mit dem Fremden so gar nicht fürchtet und auch das aversive Gekläff überflüssig findet, dann kann Amy sich deutlich entspannen und sie ist durchaus bereit, Ruhe zu geben, wenn man energisch mit ihr schimpft.
  • Festgehalten werden findet Amy sehr gruselig und windet und wehrt sich heftig, hat aber bisher nicht geschnappt. Schon das Leine ans Halsband machen ist etwas anstrengend, wobei hier ihre Aufregung und Begeisterung angesichts des anstehenden Spaziergangs wohl der entscheidende Faktor ist. Beim Tierarzt hüpfte sie mit Futterlocken begeistert auf den Tisch, ließ sich auch vom TA und den Helfern füttern, aber zunächst nicht anfassen. Mit Stoffmaulkorb und energischem Festhalten meinerseits lies sie sich relativ einfach impfen. Eine dringend nötige Entfernung von Filzknoten am Schwanz war da schon schwieriger, auch hier half der Stoffmaulkorb und simples Umarmen, das ihr einfach keine Chance zur Gegenwehr ließ. Auch dabei hat Amy gelernt, dass ihr nichts wirklich Schlimmes passiert, wenn sie sich fügt und stillhält. Ich denke, in der Hinsicht wird sich ihr Verhalten auch noch deutlich verbessern lassen.
Mehrere Leute, die sich mit diesen Rassen auskennen, haben mir versichert, dass Amy von ihrem Aussehen, aber mehr noch vom Verhalten her kein Border Collie, sondern ein Australian Shepherd sein muss. Das sehe ich angesichts ihrer unbestimmten Herkunft "vom Bauernhof" auch so. Und damit wären auch ihre Schwierigkeiten im Umgang mit Fremden ganz anders zu bewerten: Amy hat keine Angst vor Fremden, sondern sie reagiert gemäß dem aussie-typischen Schutz- und Verteidigungstrieb, sie macht einfach ihren Job! Darum ist sie auch so erstaunt, wenn man ihr das verbietet und darum war es für mich so leicht, ihr die problematische Ausprägung ihres Verhaltens in kurzer Zeit abzutrainieren. Ich denke, wenn man sich dieser Eigenheiten bewusst ist, vielleicht schon Erfahrungen mit Aussies hat und entspannt und souverän agiert, dann wird Amy in kürzester Zeit ein unproblematischer, netter Begleithund sein, mit dem man noch viele Jahre Spaß haben kann.
 
Gesundheitliche Aspekte:
  • Für einen fast achtjährigen Hund ist Amy sehr fit und durchtrainiert. Über HD-Röntgen usw. ist nichts bekannt. Im Impfpass war nur eine Impfung kurz vor der Übergabe eingetragen.
  • Einer der Gründe, warum Amy abgegeben wurde, waren "Anfälle", die sie seit drei Jahren in etwa jährlichen Abständen bekommen hat. Ich habe einen solchen "Anfall" inzwischen miterlebt und würde ihn als eine Art Panikattacke beschreiben: große Unruhe, Hecheln, Hin-und herlaufen, hektisches Wassertrinken, heftige Ausbruchsversuche aus Varikennel, Kratzen an Türen. Keine Bewußtseintrübung, große Anhänglichkeit an den Menschen. Diese Symptome wurden genauso von der Vorbesitzerin beschrieben. Das Ganze dauert bei mir etwa 15 Minuten und endete abrupt damit, dass Amy zu mir ins Bett kommen durfte und innerhalb von Sekunden zur Ruhe kam. Merkwürdige Therapie, aber wenn's denn hilft! Ich denke, dass ich den Auslöser des "Anfalls" nicht mitbekommen habe, es war definitiv kein auffälliges Ereignis, Geräusch etc. Ich halte es für möglich, dass Amy einen epileptiformen Anfall hatte, in dessen Folge diese Unruhe auftritt. Möglicherweise besteht ein Zusammenhang mit der Impfung, die ca. 4 Wochen davor erfolgt war. Inwiefern auch die früheren Anfälle im zeitlichen Zusammenhang mit Impfungen standen, versuche ich noch herauszufinden. Insgesamt bewerte ich diese Problematik als nicht wirklich dramatisch. Möglicherweise lässt sich die Ursache noch erkunden und eine Therapie, z.B. auf homöopathischer Basis, finden. Einer Vermittlung steht sie meiner Meinung nach nicht im Wege.
Wie sollte Amys neues Zuhause aussehen?
  • Amy hat die ersten vier Jahre ihres Lebens zusammen mit einem Dackel auf dem Land gelebt und ist mit Kindern, Kleintieren und Pferden vertraut. Danach lebte sie über drei Jahre als Einzelhund mitten in der Großstadt. Hier in der Pflegestelle lebt sie wieder ländlich im Border-Collie-Rudel. Nach meinem Eindruck käme sie sowohl mit einer ländlichen als auch mit einer städtischen Wohnsituation zurecht, denn ...
  • für Amy ist der enge Kontakt zu ihrer Bezugsperson sehr wichtig. Sie würde lieber den ganzen Tag mit ihrem Menschen in der Stadt zusammen sein, als alleine im großen ländlichen Garten sitzen oder im Rudel laufen.
  • Amy ist, soweit ich das beurteilen kann, umweltsicher, d.h. man kann sie überallhin mitnehmen, sofern man sicherstellen kann, dass sie nicht von uneinsichtigen Menschen bedrängt wird. Ob sie irgendwann mal anfangen würde, z.B. "ihr" Büro zu bewachen und verteidigen, lässt sich schwer voraussagen, ich denke aber, das sich dies erzieherisch leicht steuern ließe.
  • Amy hat Zeit ihres Lebens mit einem Kind (zuletzt etwa neunjährig) zusammengelebt, wie gut das geklappt hat, weiß ich nicht. Zumindest sind keine negativen Vorfälle bekannt.
  • Amy kommt mit Frauen leichter zurecht als mit Männern, trotzdem kann ich mir gut vorstellen, dass sie sich eng einem Mann anschließt, der viel mit ihr unternimmt.
  • Amy hat nur als jüngerer Hund Hundesport betrieben, sie scheint auch ohne auszukommen, solange sie insgesamt genug Bewegung hat. Trotzdem genießt sie alles, was ihr Mensch mit ihr gemeinsam unternimmt.
  • Amy lebt problemlos mit Hunden zusammen, braucht sie aber nicht wirklich zum Glücklichsein. Trotzdem halte ich es für besser, ihr oft/dauernd Hundekontakt zu ermöglichen, um angemessenes Sozialverhalten zu üben. Den Besuch einer Hundeschule /eines Vereins halte ich nur dann für sinnvoll, wenn dort wirklich kompetente Menschen vorhanden sind, die Amys Verbesserungsbereiche richtig einordnen und fördern können.
  • Am wichtigsten ist, dass Amys neue Bezugsperson souverän und unaufgeregt mit ihren kleinen Schwächen umgeht und ihr eine klare Führung bietet. Dazu sind gar keine großartigen Spezialkenntnisse nötig, denn eigentlich ist Amy ein sehr lieber und geradliniger Hund.
Amy kann jederzeit nach Voranmeldung bei Christine Fischer in 31863 Coppenbrügge besucht werden. Kontaktaufnahme gerne per Email clanalba@freenet.de oder ggf. unter Tel. 05156-7098.

Update 01.05.09: Amy ist läufig geworden. Sie soll im August kastriert werden, erfreulicherweise hat sich für diese OP ein Sponsor gefunden.